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Graz, Sonntag 8. Februar 1998

Der letzte Flug des glamourösen Falken

Über Leben und Tod des einzigen österreichischen Pop-Stars.

VON FRIDO HÜTTER


Die Grazer Schönaugasse ist keine mondäne Meile. Aber von hier aus gehen und gingen hervorragende Produkte, wie Herrn Sommers grandiose Käsewurstsemmeln, die Kleine Zeitung
und Falco, Österreichs einzige Pop-Diva von Format, in die Welt hinaus.

Anfang 1982 verfügte sich ein Wiener Musiker namens Johann Hölzl in den Keller des Hauses 53A, wo die damals leidlich bekannte Kapelle "Magic" logierte. Ob man keinen Bassisten brauche? Mit Bedauern schickte man den Bewerber wieder weg und damit einen künftigen Weltstar auf den Weg.

Hölzl tat sich mit dem Produzenten Robert Ponger und dem sensiblen Trend-Scout Markus Spiegel zusammen, nannte sich Falco und brachte den Song "Der Kommissar" heraus. Er wurde ein
gewaltiger Erfolg und bescherte dem Sohn eines Maschinenbauers die ersten von geschätzten
hundert Millionen Schilling Lebenseinnahmen.

Seine Reaktion: Er produzierte die geniale Platte "Junge Roemer", die zum Besten zählt, was ein österreichischer Rockmusiker je zustande gebracht hat und die erwartungsgemäß kein Erfolg wurde. Dieser stellte sich jedoch alsbald überlebensgroß ein: "Rock Me Amadeus" (1985) drang als erstes Opus eines deutschsprachigen Sängers auf Platz eins der US-Hitparade vor.

Privates Glück fiel auch in diese Zeit: Die Liaison mit einer schönen Grazerin namens Isabella führte
zu einem vermeintlich gemeinsamen Kind und zu mehrjährigem Ehestand. Acht Jahre später stellte
sich heraus, daß Falcos Vaterschaft eine schöne, aber echte Chimäre war. Dies dürfte ihn sehr getroffen haben.

Falcos eigentlicher Mehrwert kam aber nicht aus der Kehle oder aus breit publizierten Schicksalsschlägen: Er war der erste echte Star der heimischen Szene. Nichts hatte er mit den treuäugigen Austropoppern, mit den hemdsärmeligen Rabauken gemein. Falco war ein eleganter Vorreiter der neuen Spaßgesellschaft. Und er war, noch lange bevor das Wort Furore machte, cool. Er war arrogant und abgehoben, wie es sich für einen dieser Gattung ziemt. Und doch immer ein
wenig zu nett, um in dem schwindelerregenden Biotop zu überleben.

Stets war er auf der Jagd nach Vaterfiguren, die Willi Dungl, Hans Mahr oder sonstwie hießen. Und stets grundelte der Überflieger immer wieder mit falschen Freunden im Jammertal von Alkohol und anderen Drogen. Und während ordentliche Rockstars an irgendwelchen Überdosen oder wenigstens im Flugzeug sterben, fuhr er ein japanisches Auto gegen einen Bus. - Fast ein Disco-Tod.

"From The Dark Into The Light" heißt Falcos letzte, noch unveröffentlichte Platte. Ein gutes Ziel für einen letzten großen Flug.

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